Interview mit Andreas Wurz

Interview mit Andreas Wurz

Wie für alle Abteilungen des TVM, gilt auch für die Radsportabteilung: Fast alle Aktivitäten liegen derzeit „auf Eis“. An einen Trainingsbetrieb war bislang auch nicht ansatzweise zu denken. Wichtige Veranstaltungen und Wettkämpfe mussten abgesagt werden, wie z. B. der MPDV Cup in Nüstenbach oder die diesjährige Alpenüberquerung der Rennradler im August. Corona verändert alles, nicht zuletzt für Andreas Wurz, der sich sein letztes Jahr als Gründer und Leiter der Radsportabteilung ganz anders vorgestellt hatte. Gründe genug zum Innehalten und an dieser Stelle mal den Fokus nicht auf die sonst hier üblichen Abteilungsaktivitäten zu richten. Stattdessen sollen hier in einem Interview mit dem scheidenden „Capitano“ die aktuelle Situation reflektiert sowie die zurückliegenden Entwicklungen der Abteilung und mögliche Prognosen für die Zukunft besprochen werden. Das Gespräch mit Andreas Wurz führte Dirk Münker, aktives Mitglied und Pressewart der Abteilung Anfang Juni.

Frage: Lieber Andreas die aktuelle Situation erfordert es, dass wir unser Gespräch mit der Gegenwart beginnen. Wie ist die augenblickliche Situation in der Abteilung, welche pandemiebedingten Beeinträchtigungen gibt es und wie gehen die Mitglieder damit um?

Antwort: 
Leider gilt für den Vereinsradsport immer noch das Verbot für das Trainieren in der Gruppe auf öffentlichen Straßen bzw. Wegen. Maximal zwei Personen aus verschiedenen Haushalten dürfen miteinander fahren, unter Wahrung der Abstandsregeln. Da wir uns auch sonst nicht treffen können, ist das Vereinsleben massiv eingeschränkt und es wird spannend werden, wenn ab Mitte Juni der Betrieb vielleicht wieder anlaufen kann. 

Frage: Die aktuelle Situation konnte so niemand vorher auch nur erahnen. Für Dich bedeutet dies sicherlich ganz neue Herausforderungen und noch mehr Verantwortung. Wie gehst Du damit um, und in wie weit hat dies Auswirkungen auf Dein letztes Jahr als Abteilungsleiter?

Antwort: 
Zweimal war ich übermotiviert dabei, eine Jubel-Mail mit dem Restart zu versenden – zweimal musste ich sie löschen und weiter um Geduld bitten!
Und, keine Frage: Unser prall gefülltes Jahresprogramm komplett in die Tonne treten zu müssen, ja, das tut weh. Du kannst das am besten nachvollziehen, da Du dieses Programm wieder mit viel Liebe zum Detail in unserem Heft zu Papier gebracht hast!

Frage: Möglicherweise wird es trotzdem noch mehrere Monate spürbare Beeinträchtigungen bei den Abteilungsaktivitäten geben. Womit rechnest Du hier und welche Auswirkungen haben diese möglicherweise auf die Abteilung?

Antwort: 
Da die großen Projekte, wie unser Traditionsrennen in Nüstenbach und die mehrtägigen Ausfahrten abgesagt sind, fehlen uns in diesem Jahr die Ziele. Dass sich alles wieder ganz reibungslos hochfahren lässt, halte ich eher für unwahrscheinlich. Schauen wir mal optimistisch auf den Spätsommer. Vorher wird es im Training ruhig bleiben, da jetzt ja auch die Ferienzeit beginnt und das Reisen wieder einsetzen wird. An das eventuelle Hochfahren von Corona-Maßnahmen im Falle einer zweiten Infektionswelle, will ich in diesem Zusammenhang erst gar nicht denken! 

Frage: Wichtige Projekte, wie die Realisierung des Flowtrail können ebenfalls derzeit nicht bzw. nur auf Sparflamme weiter bearbeitet werden. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Antwort:
Im Moment erwarten wir nach Erhalt der forstrechtlichen Genehmigung täglich auf die endgültige Zusage der Leader-Förderung durch das RP Karlsruhe. Erst wenn diese Gelder sicher sind, können wir an die Akquirierung der Sponsoren- und Spendengelder gehen. Eine ausführliche Information sowohl der Bevölkerung als auch der Abteilungsmitglieder mit einer erneuten Abstimmung über die sich aus der Genehmigung ergebenden Lasten wird folgen. Das endgültige Plazet des Hauptvereins, der uns bisher hervorragend unterstützt hat, und die endgültige Baugenehmigung durch die Stadt werden dann den Weg für den Baubeginn freimachen. Das wird dann aber bestenfalls im Spätjahr 2020 bzw. Winter 2021 sein. Das Projekt selber, initiiert durch unseren Projektleiter Alexander Arnold, halte ich für eine ungeheure Entwicklungschance auch über den Tellerrand der Radsportabteilung hinaus.
Diese Entscheidungen werden sicherlich die Arbeit der Abteilung für die nächsten Jahre prägen. Wir brauchen deshalb noch in diesem Jahr geeignete Kandidaten für meine Nachfolge in der Abteilungsleitung, die zuverlässig länger zur Verfügung steht. Alexander hat sich bereit erklärt, im Falle seiner Wahl das Amt zu übernehmen. Schauen wir mal, ob weitere Personen vorgeschlagen werden. Auch in dieser wichtigen Fragestellung bremsen uns im Moment noch die Corona-Regeln – spätestens für Mitte bis Ende Juli hoffe ich fristgerecht zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung einladen zu können.

Frage: Du hast die Abteilung im Jahre 1998ins Leben gerufen und bist seit dem ununterbrochen als Abteilungsleiter tätig. Wie bist Du damals auf die Idee gekommen, welche Ziele wolltest Du umsetzen und was ist Dir davon gelungen?

Antwort: 
1991 habe ich das Radfahren für mich als Sport entdeckt und war von Anfang an fasziniert von unserer fantastischen Landschaft, die sich mir immer mehr erschlossen hat. Dies mit Anderen zu teilen, war die ursprüngliche Motivation, einen Verein zu gründen. Beim TV-Mosbach stieß ich damit nicht nur auf offene Ohren sondern wurde im wahrsten Sinne mit offenen Armen aufgenommen. 
Damals hatte ich noch keinen blassen Schimmer, was da alles auf mich zukommt. Die Breite des Angebots ist erst im Laufe der Jahre kontinuierlich gewachsen. Heute sind wir differenziert aufgestellt, bieten ein attraktives Programm für alle Alters- und Radklassen. Ein Schwerpunkt liegt bei der Jugendarbeit, ohne die Vereinsarbeit eine Eintagsfliege bleiben würde. Möglich war das aber nur durch die aktive Mitarbeit von ganz Vielen in der Abteilung. Und diese Personen sind auch die Garanten für Kontinuität, unabhängig davon wer da den Hut auf hat. 

Frage: In den zurückliegenden Jahren hat sich die Radsportabteilung kontinuierlich weiterentwickelt. Hättest Du Dir das alles zu Beginn Deiner Tätigkeit so vorstellen können?

Antwort:
Ganz klare und kurze Antwort: nein! 

Frage: Wenn Du Deine Amtszeit Revue passieren lässt, was waren die Higlights und was bleibt Dir besonders in Erinnerung?

Antwort:
In den letzten Jahren bin ich, wie Du weißt, mehr aufs Rennrad umgestiegen. Unsere acht gemeinsam erlebten Alpenüberquerungen mit über 100 Pässen, sind mir unvergesslich und ich hoffe sehr auf 2021. Dann soll die Tour “Kaiserjäger”, die nun Corona zum Opfer gefallen ist, nachgeholt werden. 
Der Zusammenhalt und das perfekte Miteinander der Abteilungsmitglieder beim jährlichen MTB-Rennen (jetzt MPDV-Cup) und die Unterstützung und Gastfreundschaft der Nüstenbacher sind in jedem Jahr regelmäßig der Lohn für den organisatorischen Aufwand dieser Veranstaltung gewesen. Ich wünsche mir sehr, dass das in Zukunft beibehalten wird.

Frage: Hand  aufs Herz – gibt es Dinge, welche Du in der Rückschau gerne anders entschiede hättest?

Antwort:
Zu Beginn 2019 wollte ich eigentlich die Abteilungsleitung in jüngere Hände übergeben, habe mich dann aber zum Weitermachen überreden lassen. Der Zeitpunkt wäre damals für mich der glücklichere gewesen.

Frage: Welche Wünsche und Pläne hast Du für die Zukunft? Wirst Du der Radsportabteilung erhalten bleiben?

Antwort:
Ich bleibe sicher aktiv in der Rennradgruppe, bei der ich hoffentlich noch einige Zeit ohne E-Motor mithalten kann. Ansonsten bin ich da, wenn ich als Mitglied gebraucht werde. Ich freu mich auf eine entspannte Zeit! 

Vielen Dank für das Interview und alles Gute.

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